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Wie kriege ich ein scheinbar lustloses Pferd motiviert?

Montag, 7. November 2016

Wir alle kennen die Pferde oder haben sie zumindest schon mal beobachtet: Pferde, die am liebsten den ganzen Tag nur rumstehen und fressen. Mit dem Menschen zusammen arbeiten wollen sie lieber auch nicht. Wenn man es trotzdem versucht endet es meist damit, dass sich der Mensch enorm anstrengen muss, um das Pferd überhaupt vom Fleck zu bewegen. Auf Dauer macht dieses ständige ums Vorwärts kämpfen jedoch niemandem Spass… Was hier fehlt ist eindeutig die MOTIVATION des Pferdes! Doch wie kann ich diese erzeugen?

 

Fakt ist, dass die Pferde Flucht- und Herdentiere sind. Sie haben drei Grundbedürfnisse: Sicherheit – Komfort – Spiel. Die Pferde, um die es in diesem Beitrag geht, sind in der Regel sehr sicher im Umfeld des Menschen. Sie wissen genau, was sie tun und erscheinen manchmal eher aufmüpfig, wenn sie uns Menschen mehr arbeiten lassen als eigentlich notwendig ;) Für diese Pferde rücken die Begriffe Komfort & Spiel mehr in den Vordergrund.

 

Grundsätzlich lernen die Pferde über Komfort und Diskomfort. Das bedeutet, die Pferde suchen eine Stelle auf, wo sie Komfort finden können. Diesen Grundsatz kann ich in das tägliche Training miteinbeziehen. Pferde lernen die Komfortpunkte sehr schnell schätzen. Damit wir Menschen uns besser orientieren können, empfehle ich immer einen Markerpunkt zu setzen (z.B. Pylone). Wird an diesem Punkt ein zusätzlicher Motivator wie Pause oder Futter eingesetzt, werden die Pferde bestrebt sein, diesen Punkt aufzusuchen. Der restliche Bereich ausserhalb dieses Punktes bedeutet für die Pferde Diskomfort, da sie sich dort bewegen müssen.

 

Nun sehe ich bereits die ersten Einwände in der Luft: „Wenn ich Pause mache, bleibt es doch nur noch stehen“, „Es wird zielstrebig zu diesem Punkt gehen, aber nicht weiter“. Deshalb kommt hier der Begriff Spiel ins Spiel! Intelligente Tiere werden in der Tat sehr schnell kapieren, wo und wofür sie Komfort erhalten. Deshalb sollte damit gespielt und vor allem variiert werden.

 

"Langweile dein Pferd nicht durch endlose Wiederholungen und bleibe interessant!" (unbekannter Autor)

 

… bedeutet soviel wie: mache nicht immer nach derselben Anzahl Runden eine Pause. Baue einen Seitenwechsel ein und gehe dann zurück zu deinem Komfortpunkt. Variiere die Gangarten (1 Runde Schritt, 2 Runden Trab, 1 Runde Galopp) bevor du das Pferd beim Komfortpunkt halten lässt. Durch die Variation müssen sich die Pferde in die Aufgabe hineindenken und können nicht plötzlich Dinge vorweg nehmen. Diese Pferde sind nämlich Punktezähler und halten sich sehr genau an das, was man immer von ihnen verlangt hat. „Wenn ich 5 Mal 3 Runden laufen musste, bis ich anhalten durfte, dann mache ich da auch beim 6. Mal so!“ Denksport anstatt ewiger Trott lautet also hier die Devise! Aufgrund der Variation (Tempiunterschiede, Seitenwechsel) können die Pferde auch eher einen Sinn hinter der gestellten Aufgabe sehen – es ist nicht nur ein ödes im Kreis rennen. Das wird sie motivieren mitzudenken und Fragen zu stellen. WICHTIG: Am Anfang nicht zu viel verlangen bevor man Komfort anbietet! Ansonsten wird es den Pferden bereits wieder langweilig resp. sehen keinen Sinn dahinter und schalten ab…

 

So einfach das ganze Vorhaben auch tönt, scheitert es meist daran, dass sich die Pferde nicht vom Fleck bewegen lassen. Hier ist die Effektivität der Menschen gefragt. Wenn ich möchte, dass sich mein Pferd bewegt, muss ich dies auch irgendwann effektiv durchsetzen können. Ansonsten verliere ich an Glaubhaftigkeit. Man beginnt mit einer feinen Anfrage, die sich mit der Zeit stetig erhöht, wenn das Pferd nicht reagiert. 

 

"Brich kein Versprechen, das du deinem Pferd gegeben hast" (Pat Parelli) 

aber auch

"Erwarte viel, akzeptiere wenig, belohne die kleinste Anstrengung" (Pat Parelli)

 

Wichtig ist, immer mit einer Veränderung der Körperenergie als Anfrage zu beginnen und erst nach und nach auffordernder zu werden. Bei einer korrekten Antwort auf meine Aktion (Energieerhöhung des Pferdes, Gewichtsverlagerung nach vorne, erstes Anschreiten) beende ich meine Aktionen sofort und gehe neutral mit dem Pferd mit oder frage erneut für eine Vorwärtsbewegung, an. So erlangt das Pferd Bestätigung in dem was es tat. Mit der Zeit wird das Pferd gelernt haben bereits auf einer Änderung unserer Körperenergie zu reagieren. 

1 Kommentar zu "Wie kriege ich ein scheinbar lustloses Pferd motiviert? "

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