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Jungpferdeausbildung – wie bereite ich ein Pferd auf das Leben eines Reitpferdes vor?

Samstag, 17. Juni 2017

In der heutigen Zeit gibt es so viele verschiedene Ansätze und Möglichkeiten, wie ein Pferd eingeritten wird. Ich habe mich daher dazu entschlossen, meine Vorgehensweise näher zu erläutern. Meine beschriebene Vorgehensweise bei der Bodenarbeit ist auch für eingerittene Pferde gültig, um abzuchecken, ob ich dieses Pferd überhaupt an diesem Tag / in dieser Verfassung reiten möchte.

 

Ganz klar beginnt die Arbeit mit Pferden immer am Boden, vor allem bei Jungpferden oder rohen Pferden! Da lerne ich dem Pferd, welche Signale und Hilfen ich verwende. Ich arbeite dazu am Knotenhalfter, da dies meine Impulse am genausten an den Kopf des Pferdes weiter leiten kann. Zudem schränkt es das Pferd nicht in seinen natürlichen Bewegungsabläufen ein, das Pferd kann sich natürlich und frei bewegen. Wichtig ist hier aber wirklich über Impulse zu arbeiten und nicht einen Seilkampf mit dem Pferd zu führen!! Kennt das Pferd die Hilfen vom Boden ist es ein leichtes, dieselben mit in den Sattel zu nehmen. Am Boden gibt es ein paar Basisübungen, die jedes Pferd mit Leichtigkeit und ohne zu klemmen ausführen soll. Diese Übungen brauche ich, um die Durchlässigkeit des Pferdes zu überprüfen. Dazu gehören die Hinterhand zu verschieben (am Anfang aus dem Stand, für Fortgeschrittene aus dem Schritt auf einem kleinen Zirkel), anhalten und rückwärts richten, Seitwärts in Schritt und Trab sowie alle drei Grundgangarten an der Hand auf dem Zirkel zu laufen. Das Anhalten bringe ich den Pferden gerne mit einem Objekt bei (am geeignetsten ist hier eine Pylone). Hat das Pferd nämlich gelernt, dass das Objekt einen Komfortpunkt darstellt, wird es von sich aus fragen, ob es da anhalten darf. So kann ich das Anhalten aus Distanz und über meine reine Energie konditionieren. Richtig gelesen, alles was wir mit unseren Pferden erarbeiten, ist auf eine Weise konditioniert, nicht?!

 

Zusätzlich zu der Bodenarbeit soll das Pferd langsam das Equipment kennen lernen. Pad oder Sattel, gurten, die Trense. Erst zeige ich mein Equipment meinem Pferd, ich lege es irgendwo hin und schicke das Pferd dorthin, um es zu beschnuppern. Gerne lasse ich die Sachen auch beschnuppern, bevor ich das Pferd damit berühre (satteln, auftrensen). Trotz vorsichtigem gurten kann es vorkommen, dass sich das Pferd dabei versteift und Spannung aufbaut. Deshalb sattle ich frei stehen, um das Pferd zu beobachten und nach dem gurten lasse ich die Hinterhand weichen. So geht mögliche angestaute Energie zur Seite weg, das Pferd rennt nicht in mich rein, wie wenn ich es vorwärts antreten lassen würde. Das zu benutzende Equipment nehme ich im Idealfall gerne ein halbes Jahr oder länger zur täglichen Bodenarbeit mit, damit das Pferd die Ausrüstung akzeptiert und keine Probleme damit hat.

 

„Der Start eines Jungpferdes ist nicht irgendetwas – er ist alles!“ (Pat Parelli)

 

Wird die Ausrüstung akzeptiert, sollte das Pferd lernen, auch den Reiter zu akzeptieren. Ich beginne damit, mich über den Pferderücken zu lehnen oder Gewicht in den Steigbügel zu geben. Ich achte hier sehr genau auf die Mimik und Gestik der Pferde, um den nächsten Schritt erlaubt zu bekommen. Hier arbeite ich in sehr kleinen Schritten und kurzen Sequenzen! Wird das über den Rücken lehnen geduldet, kann ich mich kurz auf das Pferd setzen, um gleich wieder abzusteigen. Als nächstes wird dem Pferd das Biegen und Verschieben der Hinterhand beigebracht – dies soll es nämlich als unsere Bremse verstehen können.  

 

Lasse ich das Pferd antreten, verhalte ich mich erst als Passagier. Ich lasse das Pferd gehen, wohin es möchte und lasse es sein Gleichgewicht und Takt mit mir als Reiter finden. Als Passagier störe ich das Pferd am wenigsten in seiner Balance! Sobald das Pferd Sicherheit mit dem Passagierreiter erlangt hat, beginne ich das Pferd über die am Boden eingeübten Impulse zu steuern. So lernt das Pferd, den Reiter als Leader zu akzeptieren. Ist das Ganze gefestigt wäre der Jungpferdestart geschafft.

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